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Voraussetzungen für Hundegestützte Therapie


Grundsätzliches vorab

Da spielt man nun mit dem Gedanken, seinen fabelhaften, großartigen Hund in die Arbeit zu integrieren. Oder man hat von Tiergestützter Arbeit gehört und möchte sich eigens dafür einen passenden Hund anschaffen. Das ist eine wirklich gute Idee, da die Arbeit im Team eine unermessliche Bereicherung für den Therapiealltag bedeutet: Der allgemeine Wohlfühlfaktor in der Praxis steigt, der Erstkontakt mit den Patienten gestaltet sich entspannter und unproblematischer, die Therapie verläuft meist effektiver und definitiv fröhlicher, vom Alleinstellungsmerkmal ganz zu schweigen.

Es gibt jedoch einige Dinge, die man vorher durchdenken sollte, um Enttäuschungen und Stress vorzubeugen.


Räumliche Voraussetzungen
Erlaubt der Vermieter Haustiere? Ist mein Arbeitsraum so gestaltet, dass mein Hund Rückzugsmöglichkeiten hat? Ist ein Waschbecken leicht zugänglich? Sind meine Kollegen / ist mein Chef damit einverstanden?
Es ist wichtig, dass alle Beteiligten mit einem Tier am Arbeitsplatz einverstanden sind. Ich teile mir eine Praxis mit mehreren anderen LogopädInnen und wir haben uns darauf geeinigt, dass es einen Raum gibt, der für meine Hunde tabu ist, da es zunehmend Menschen mit Allergien gibt, die so trotzdem bei uns behandelt werden können.
Unsere Patienten werden bei der Anmeldung darauf hingewiesen, dass es Tiere in der Praxis gibt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, gegebenenfalls einen anderen Therapeuten aufzusuchen.


Zeitliche Voraussetzungen
Ist man sein eigener Chef, und muss keine vorgeschriebene Stundenanzahl arbeiten, dann hat man es etwas leichter, denn gerade ein Therapiehund braucht ausführliche Gassizeiten und ausgleichende Freizeitbeschäftigung. Wenn unser Co- Therapeut konzentriert gearbeitet (und vermutlich dabei viele Leckerlies konsumiert) hat, ist ein Ausgleichssport extrem wichtig für seine physische und psychische Gesundheit.


Kann jemand den Hund abholen, wenn er Durchfall bekommt? Materialien, die der Hund im Maul hatte, müssen täglich gesäubert werden, regelmäßiges Saugen (vor allem während des Fellwechsels!) muss auch zeitlich eingeplant werden.
Auch gilt zu bedenken, dass eine seriöse Ausbildung sehr zeitintensiv ist. Neben mehreren Theorieblöcken gibt es noch Praxisseminare mit einer Prüfung am Ende. Das kann sich über viele Monate erstrecken; dazwischen muss sehr viel Beziehungsarbeit und Training stattfinden, bis alle relevanten Anforderungen sicher erfüllt werden können. Ernstzunehmende Ausbildungsstätten verlangen eine Nachprüfung der Hunde alle zwei Jahre.

Und wenn man erst einmal damit begonnen hat, mit seinem Hund als Team therapeutisch zu arbeiten und er es gewöhnt ist, regelmäßig mitzudenken und sich zu konzentrieren, wird er diese Form der Beschäftigung nicht mehr missen wollen. Ist der Hund erst einmal auf geistige Arbeit eingestellt, wird er ein Leben lang weiter beschäftigt werden müssen, weil sonst die Gefahr besteht, dass er depressiv wird, wenn er über längere Zeit nicht gefordert wird.


Finanzielle Voraussetzungen
Ja, es ist möglich, seinen Therapiebegleithund steuerlich geltend zu machen! Aber dennoch sind Ausbildung und Unterhalt eines solchen Tieres deutlich höher, als bei einem Familienhund. Eine gute Ausbildung ist meist teuer, regelmäßige Tierarztbesuche, zusätzliche Materialien, vielleicht eine Umgestaltung der Praxis, das alles sind Kosten, die einkalkuliert werden müssen.
Kein Hund wird einen 10 Stunden Tag überstehen – habe ich jemanden, der ihn abholen kann? Oder muss man ihn selbst nach Hause bringen: Zeit, in welcher man nicht arbeiten und somit auch kein Geld verdienen kann.


Verantwortung
Durch das Vorbereiten auf die Prüfung und vor allem durch die gemeinsame Arbeit wächst man zu einem Team zusammen, das über eine normale Mensch – Hunde – Beziehung hinausgeht. Das ist ein Geschenk, auf das man achten muss. Ich muss als Halter immer darauf achten, dass mein Hund geschützt ist! Er wird in der Arbeit alles geben und ich muss lernen zu sehen, wann er genug hat und eine Pause braucht. Auch darf er sich nicht auf herkömmliche Art wehren, also muss ich alle Situationen immer voll im Griff haben, so dass er nicht in Bedrängnis kommt.
Die Gesundheit meines Tieres geht immer vor! Lieber einen oder zwei Schontage mehr, wenn es nicht auf der Höhe ist, auch wenn es planerisch so überhaupt nicht klappt.

Wenn ich bereit bin, mich auf all das einzulassen, dann steht meiner steilen Karriere als erfülltes und erfolgreiches Therapiebegleithundeteam nichts mehr im Weg!


Der Kontakt zwischen Therapiebegleithund und Mensch ist oft sehr eng und es bedarf einiger grundlegender Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, bevor der Hund in der gemeinsamen Arbeit eingesetzt werden kann.


Allgemeine Voraussetzungen
Therapiebegleithunde müssen generell gechipped, vollständig und lückenlos geimpft und regelmäßig entwurmt werden. Engmaschige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt sind obligat. Da sich unsere Patienten und unsere Hund oftmals sehr nah kommen, sind höchste Ansprüche an den Gesundheitszustand des Tieres zu setzen, um das Risiko von Zoonosen (von Tier auf Mensch - und andersherum - übertragene Infektionskrankheiten) zu minimieren. Da meine ältere Hündin allergisch ist und einen sehr empfindlichen Verdauungstrakt hat, versuche ich, die vierteljährliche Chemiekeule zu vermeiden und gebe monatlich eine Kotprobe bei meinem Tierarzt ab, die auf Parasiten untersucht wird. Er kommt mir da entgegen und berechnet mir nur Züchterpreise.

Auch sollten die Hunde sauber und gepflegt sein. Vor Betreten der Praxis muss das Fell auf Zecken untersucht werden.

Ganz wichtig! Eine Ausbildung mit abschließender Prüfung ist notwendig, da Tier und Halter nur so optimal auf die therapeutische Arbeit vorbereitet werden können. Geeignete Einrichtungen findet man im Internet. Für mich ist wichtig, dass die Schulung eine für Mensch und Tier ist, d.h. es müssen umfassende praktische und theoretische Informationen vermittelt werden an deren Ende eine Prüfung durch externe Prüfer steht. Meine Hunde werden nach den Richtlinien des TBD e.V. (Tierbegleithunde Deutschland e.V.) ausgebildet und geprüft. Ich habe dort auch Rückendeckung, was steuerliche Ermäßigungen, Hygieneleitlinien für Einsätze in Institutionen wie Krankenhäusern und Kindergärten sowie Rechtsfragen betrifft.

Natürlich muss der Hund versichert sein. Auch hier gab es bei meiner Praxisversicherung keine Probleme, als ich die Bescheinigung über die Ausbildung beim TBD eV. beifügte.


Charakterliche Voraussetzungen
Ein Therapiehund muss absolut frei von jeglicher Aggression Menschen gegenüber sein. Kein Knurren, Schnappen oder Drohen darf folgen, selbst wenn er überrascht oder verunsichert wird. Er muss es tolerieren können, von Fremden übergriffig angefasst zu werden; sei es am Schwanz gezogen oder in die Augen gegriffen zu werden – unser Hund MUSS gelernt haben, gelassen zu reagieren. Es ist völlig in Ordnung, wenn er sich zurückzieht, aber er darf unter keinen Umständen den Weg nach vorne suchen und den Menschen bedrohen oder gar beißen.

Es ist von Vorteil, wenn der Hund vom Welpenalter an gut sozialisiert ist. Das bedeutet, dass er von klein auf mit verschiedenen Situationen wie lauten Geräuschen, unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, Menschen in all ihrer Vielfalt – klein, groß, abweisend, fordernd, hektisch, geistig- oder körperbehindert, mit Rollstuhl oder Krücken – kontrolliert positive Erfahrungen sammeln durfte.

Die Bindung zwischen Halter und Hund sollte fest und vertrauensvoll sein – wir arbeiten schließlich als Team und müssen uns aufeinander verlassen können!

Ein solider Grundgehorsam ist absolut notwendig, da ich in einer eskalierenden Therapiesituation nicht anfangen kann, mit meinem Tier herumzudiskutieren, bis es endlich im Platz bleibt.

Tricks und Kunststückchen wie apportieren, auf Kommando bellen, aufräumen, rollen, balancieren, Gebärden verstehen sind von großem Vorteil in der Tiergestützten Arbeit: sie machen allen Beteiligten viel Spaß und sorgen beim Erarbeiten für einen großartigen Bindungsaufbau.

Ob Mischling oder reinrassig, groß oder klein, quirlig oder gemütlich, spielt eigentlich eine untergeordnete Rolle; es gibt nur einige rassespezifische Merkmale, die für die therapeutische Arbeit weniger geeignet sind. Einige Hütehunderassen, die einen starken Beschützerinstinkt (und häufig einen verflixten Dickschädel dazu) haben, können Schwierigkeiten mit dem ständigen Rein und Raus im täglichen Praxisbetrieb haben.

Leider stehen auch sogenannte Listenhunde immer noch in dem Ruf, generell gefährlich zu sein, was viele Patienten erstmals abschrecken wird. Ebenso Hunde mit einer starken Lefzenbildung sind durch ihr immenses Sabberpotential eher ungeeignet. Und große, dunkle Hunde stehen auch nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala.
Ausnahmen bestätigen jedoch bekannterweise die Regel.... meine Große ist ein pechschwarzer Neufundländer-Mix; als Welpe ausgesetzt, in der Prägephase komplett vernachlässigt, weil krank unter Quarantäne, mit toller Lefzenbildung ….und sie ist trotzdem everybodys darling!